Stadt oder Land?

Sehr, sehr oft kreisen meine Gedanken derzeit über der Zukunft.
Was werden soll aus dem Menschlein und mir. So toll es ist, alles offen zu haben, einen kompletten Neuanfang, sowohl privat als auch beruflich… so sehr verunsichert es auch!
Es ist Vorfreude da, Ideen, aber auch große Sorgen und Ängste.

Beim Denken helfen mir jetzt wieder ausgedehnte Spaziergänge mit dem kleinen Mann im Tragetuch oder der Trage. Das tut sooo gut!

Dabei überlege ich auch immer wieder hin und her, wo ich leben möchte.

In der schönen Stadt (Bremen), nahe meiner lieben Schwester und mit „coolen, hippen“ Menschen?
Quasi ein Paradies für Veganer?

Oder doch lieber so wie hier derzeit…. schön ruhig und mit guter Luft auf dem Land? Paradies für Kinder, würde ich sagen.

Es hat beides so viele Vor- und Nachteile. Ich kann mich einfach nicht entscheiden!

In der Stadt lerne ich als Single mehr Menschen kennen… andere Eltern, Spielkameraden für das Menschlein… was ohnehin schon schwieriger ist, wenn man so „speziell“ lebt wie wir. Vegan, alternativ, Konsumwahn nicht mitlebend und überhaupt…

Dann wieder denke ich, dass es so toll ist, hier die Tür aufzumachen und mitten in der Natur zu stehen. Diese Entspanntheit… die widerum entgegensteht der Kultur und Inspiration in der Stadt… das belebt halt auch den Geist!

Außerdem möchte ich gerne ohne Auto leben… das ist auf dem Land eher unmöglich.
Ich bin Fahrradmensch durch und durch. Der Zwerg liebt jetzt schon seinen Fahrradanhänger mit Hängematte.

Dann das Problem mit dem Kindergarten und der Schule. Ich hab ein Problem mit dem gängigen Schulsystem und würde meinem Kind gerne die Möglichkeit geben, eine freie Schule zu besuchen. Wenigstens Montessori. Noch viel lieber eine demokratische Schule (z.B. Sudbury), aber die sind leider noch rar in Deutschland.
Wäre es da nicht sinnvoll, den Wohnort gleich nach solchen Möglichkeiten auszurichten?

Wir werden nicht viel Geld zur Verfügung haben. Ich muss mich ja erst beruflich neu orientieren. Und die Dinge die ich kann und tun will, bringen leider nicht den finanziellen Ruhm. So ist das nunmal im künstlerischen Bereich, wenn man nicht zu den 3% Oberüberfliegern gehört.
Die zündende Geschäftsidee hab ich leider auch noch nicht. Sonst würde ich sagen: „Schnipp! Ich mach was ganz anderes!“

Es treibt mich innerlich um, diese ganzen Gedanken. Eine anstrengende Zeit irgendwie, wenn auch gleichzeitig eine freie und offene. Aber es strengt mich an, man sieht mir das an. So dünn wie im Moment war ich zuletzt mit Anfang 20. Ich denke nicht, dass es nur das Baby ist, das mich so auslutscht, wie immer alle vermuten. Es sind auch diese Gedanken und Ängste. Noch in Kombination mit dem irren Verhalten des Kindsvaters, der zwar momentan schon länger schweigt, aber natürlich immer noch im Busch sitzt und mir innerlich keine Ruhe gönnt.

Nächste Woche bricht alles nochmal auf. Ich war ja bei der Familienanwältin und werde jetzt Unterhalt einfordern, für den kleinen Mann und ich denke, auch für mich. Dann wird die Bombe erneut hochgehen und alles aufwühlen. Ich hoffe, das hört irgendwann auf. Aber die Anwältin hat Recht, wenn sie sagt, dass ich das tun muss, damit alles geklärt ist und ich weiß, woran ich bin.
Sonst sitze ich hier jeden Tag wie auf Kohlen und voller Angst, es könnte wieder was kommen. Es zermürbt mich. Trotz der Stille.

Wohntechnisch ist noch die Frage: Alleine mit Kind oder in meinem Alter noch in eine WG z.B. mit jemand andererem Alleinerziehenden?
Ich kann mir beides vorstellen… wieder hat beides Vor- und Nachteile.
Alleinwohnen ist für mich entspannter, ich kann tun und lassen was ich will, muss mich nicht um die Vorstellungen anderer kümmern (überhaupt ein Vorteil des Single-Daseins!). Ich brauche oft viel Zeit für mich. Ist nunmal so.
Dafür hätte der kleine Mann nur mich als Bezugsperson. Und das widerum finde ich nicht gut.
Es sei denn, wir würden irgendwann einen Ersatz-Papa kennenlernen, wer weiß.

Und WG kann ich mir eigentlich nur noch mit Freunden vorstellen. Nicht mit Wildfremden. Das geht gar nicht.
Dafür wäre es billiger mit gleichzeitig mehr Platz, wenn man viel Raum gemeinsam nutzt. Ein echter Vorteil für ein Kind und die Katzen.

Ach Mensch. Ihr seht. Gedanken über Gedanken.
Und das in meinem Alter. Klingt wie jemand  höchstens Ende 20. Das zerrüttet mich auch. Andere in meinem Alter sind längst „angekommen“. Naja, dafür werd ich dann vielleicht 100. So.

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7 Gedanken zu “Stadt oder Land?

  1. Ach Schnubbi, ich kenn so viele, die auch im „Alter“ (haha) wieder von vorne anfangen.Mich eingeschlossen. Komisch isses, ja. Aber wir haben 2014. Alles anders als vor 40 Jahren. Und du musst genau das Leben leben, das du lebst, dafür biste schließlich extra auf die Welt gekommen! Sei gedrückt.

  2. Viele Gedanken, alles so nachvollziehbar, vor einiger Zeit ging es mir noch ähnlich (nicht Stadt oder Land, sondern Stadt A oder B, doch die ganzen Überlegungen mit autofrei, sozialem Umfeld, Schule, …)
    Für Deine Entscheidungen wünsche ich Dir Geduld mit Dir selbst und Feinfühligkeit für Dein Bauchgefühl und Vertrauen zu Deiner Herzensstimme, auch wenn der Weg holprig ist, den Du vielleicht vorerst einschlägst, es wird mit der Zeit immer runder und fängt wieder zu laufen an.
    Was die Unterhaltsforderungen betrifft, finde ich sehr gut, dass Du das machst- vorallem für Dein Kind ist das ganz wichtig, es ist eine Absicherung, die Deinem Kind zusteht. Dafür wünsch ich Dir Durchhaltevermögen und soweit möglich emotionalen Abstand (mir half: es geht um Geld, das ist nun einmal notwendig, daher wird es ganz nüchtern betrachtet, da gehts um Absicherung, nicht um Gefühle).
    Alles Liebe, Martina 🙂

    • Oh, danke für Deine lieben Worte!! 🙂 Ja, das sind schon viele Entscheidungen, die ich da in naher Zukunft treffen muss… und auch viele Probleme und Problemchen, mit denen ich mich herumschlagen werden muss… inklusive Kindsvater.
      Aber das schaff ich schon. Hoffe ich.
      Ich habe jetzt beschlossen, dass ich für MICH keinen Unterhalt einfordern werde. Immerhin bin ich weggegangen. Er wollte sich ja ums Kind kümmern (nur nicht in einem Umfang, den ich für angemessen gehalten hättte bzw. in einer Konstellation, die ich nicht leben kann und möchte!). Aber fürs Kind – ja. Das sehe ich als Absicherung fürs Kind, genau wie Du sagst. Ich könnte von dem Geld nämlich z.B. die private Schule bezahlen. Das wäre ja schon was.
      Leider wird es bei uns wohl auf Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt hinauslaufen… den kriegt man ja wohl leider nur für 6 Jahre. Werde das Geld dann zurücklegen, so gut und so lange es geht.

  3. Wenn ich mit meiner Mama, meiner Schwiegermama oder auch meine über siebzigjährigen Tante rede, wird klar: Nie ist man angekommen, zumindest nie sicher für eine lange Zeit. Das gibt es einfach nicht. Ich glaube, dass Wichtigste ist, zu akzeptieren, dass es Phasen gibt, wo es nicht gut läuft, wo vieles unsicher ist. Dass es einfach Teil des Lebens ist.

    Bremen ist doch als Stadt auch eine gute Alternative. Es gibt viele grüne Ecken und man ist auch mal schnell raus aus der Stadt (auch ohne Auto). Ich finde Landleben echt schwierig. Man kommt schlecht weg, zur Arbeit fährt man meist in die Stadt, für mich wäre es eher nichts.
    Liebe Grüße (aus Bremen :o)) Nanne

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