Baby Led Weaning

2014-07-29_1406641095Schon lange wollte ich hier von unserer Beikost-Methode erzählen.
Der kleine Mensch bekommt nämlich als Beikost von Anfang an keinen Brei, sondern feste Nahrung…
Baby-led-Weaning. Bedeutet: „Baby-geführtes Abstillen“… also, das Baby darf selbst bestimmen, wie und in welchem Tempo es die Beikost zu sich nimmt und immer weniger gestillt wird, indem es von Anfang an feste Nahrung zu sich nimmt.
In diesem Wikipedia-Artikel ist es ganz gut erklärt.

Ich hatte schon während der Schwangerschaft davon gehört und auf Blogs und Facebook viel darüber gelesen, dann praktizierte meine beste Freundin es schließlich auch mit ihrer Tochter (die 3 Monate älter ist als das Menschlein) … und dort erlebte ich, wie wunderbar Baby-led-Weaning ist. Das Babymädchen hatte sichtlich Spaß beim Essen und Ausprobieren. Also war für mich klar: Das machen wir auch!

Es geht wirklich total easy.
Man muss nur ein paar Regeln beachten, ansonsten kann ein Baby im Prinzip immer irgendwas von dem essen, was wir sowieso kochen!

Man sollte bei Babies unter einem Jahr Zucker und Salz vermeiden.
Zucker, weil er die Zähne schädigt, vor allem der Industriezucker (Fruchtzucker lässt sich nicht vermeiden, ist aber auch nicht ganz so schädlich). Und zwar auch Zähne, die noch unter dem Zahnfleisch in Startposition warten!! Und für Salz sind die Nierchen eines Babies einfach noch nicht reif.

Ich habe inzwischen die Erfahrung gemacht, dass man sehr wohl auch ohne Salz lecker kochen kann, wenn man gutes Olivenöl benutzt und leckere Gewürze und Kräuter.

Dann sollte man mit BLW nicht anfangen, bevor das Baby sitzen kann. Eigentlich wäre am besten, es könnte sich schon alleine aufsetzen. Aber das kann unser kleiner Mann mit 7 Monaten immer noch nicht und wir haben BLW schon mit 5,5 Monaten angefangen, weil er es sichtlich nicht abwarten konnte. Aber er konnte auch da schon alleine sitzen, wenn man ihn hingesetzt hat, also frei- ohne Abstützen! Anfangs haben wir ihn immer auf dem Schoß gehabt beim Essen… relativ schnell aß er aber dann auch schon alleine im Hochstuhl.

Außerdem darf man Babies keine Nüsse oder andere harte Lebensmittel in der Form geben, denn sie können im Hals stecken bleiben und das wäre sehr verhängnisvoll (Ersticken).
Auch Äpfel sollte man besser dünsten oder kochen, damit sie weicher werden. Birne dagegen ist kein Problem.
Nüsse kann man aber in geriebener Form verarbeiten (z.B. in Kuchen).

Was mich am Anfang erstaunt hat:
Alle Lebensmittel werden bei BLW nicht in mundgerechte „Häppchen“ geschnitten!
Im Gegenteil! Alles muss so groß sein, dass ein Baby es sicher in die Hand (Faust) nehmen kann!
Brokkoliröschen haben beispielsweise einen schönen „Griff“ zum Festhalten!

– Gemüse wie Zucchini und Möhren schneidet man in handliche „Sticks“, also längs halbieren oder vierteln, ich biete Gemüse meist gedünstet oder in der Pfanne mitgekocht an. Auch superlecker: Ofengemüse! Gurkensticks werden gerne roh gegessen und kühlen auch beim Zahnen.
– Obst nicht zu klein schneiden! Apfel am besten im Ganzen, an einer Stelle einfach anbeissen. Am besten Äpfel aber nur gekocht oder gedünstet geben, wegen der Verschluckungsgefahr, falls sich doch ein Brocken löst.
– Brei oder gut eingeweichtes Müsli kann man auch geben, das wird dann mit der Hand gegessen. Löffel haben wir auch schon ausprobiert. Ging gar nicht schlecht mit etwas Hilfe.

Ich muss allerdings sagen, dass das Menschlein hier sich erstaunlich gut angestellt hat bei seinen ersten Versuchen- das scheint eher ungewöhnlich zu sein. Nicht ungeduldig sein!
Habe oft gelesen, dass viele Babies anfangs gar nichts essen, sondern nur mit dem Essen spielen. Alles normal.
Das Kind nicht beobachten und nicht kommentieren oder auslachen. Man kann mit ihm sprechen, aber nicht ablenken. Das Menschlein ist am allerbesten, wenn man ihn in Ruhe lässt. Dann brabbelt er fröhlich vor sich hin und schaufelt sich sein Essen rein als hätte er nie was anderes gemacht.

Ganz wichtig: Nicht erschrecken, wenn das Baby am Anfang häufiger würgt!
Bei Babies sitzt der Würgereiz noch sehr weit vorne (etwa in der Mitte des Mundes) und erst durch „Training“ verschiebt er sich nach hinten. Deshalb müssen Babies relativ schnell würgen und spucken dann die Brocken vom Essen wieder raus, bevor sie im Hals überhaupt ankommen können.
Gefahr besteht nur, wenn das Kind keine Geräusche macht und starr sitzen bleibt.
Man kriegt am Anfang schon mal einen Schreck. Aber relativ schnell vertraut man drauf, dass es gut geht.

Ach ja, was noch schön ist: Wenn das Baby mit der Familie oder wenigstens einem Familienmitglied zusammen essen kann. Es motiviert ungemein, wenn es sieht, wie es den anderen auch schmeckt.

Bestimmt habe ich jetzt Einiges vergessen. Aber um einigermaßen kurz zusammenzufassen, worum es bei BLW geht, reicht es vielleicht.

Achso- WARUM das Ganze?
Weil es toll ist, weil es Spaß macht! Nicht nur dem Baby!
Und weil es funktioniert!
Und weil es gesund ist (das Baby wählt oft instinktiv die Nährstoffe, die es gerade braucht!).
Und weil Brei-Essen langweilig und aufwendig ist. Bei BLW muss man nicht extra Brei kochen und schon gar nicht füttern! Man kann relativ bald entspannt neben dem Baby sitzen und seine eigene Portion essen, während das Baby mit viel Spaß am Ausprobieren ist.
Und zudem wird gesagt, dass BLW Babies später unkomplizierte Esser werden, die gerne auch unbekannte Lebensmittel probieren und auch vor scharfen oder stark gewürzten Gerichten nicht zurückschrecken. Bin gespannt.

Übrigens landen da natürlich schon mal fette Brocken auf dem Boden.
Am besten legt man irgendwas drunter. Eine Plane oder eine alte Tischdecke. Dann kann man große Stücken auch wieder aufsammeln und nochmal anbieten. Ich bin meistens zu faul, ehrlich gesagt. Ist aber schade.
Es ist aber oft erstaunlich, zumindest hier bei uns- dass das Baby oft aussortiert, was es gerade nicht mag. Das kann aber von Tag zu Tag wechseln… und auch da haben wir großes Glück. Das Menschlein isst ziemlich unkritisch von allem Gemüse etwas. Hat nur einige Vorlieben wie z.B. Brokkoli, Zucchini und gelbe Paprika. Und für zwischendurch Gurkensticks, die sind aktuell auch sehr beliebt.

Ich hab zum Anfang das „Baby Led Weaning Buch“ gelesen. Hat mich nochmal sehr motiviert, auch wenn ich die andauernden Wiederholungen etwas nervig fand. Genaugenommen hätte es auch eine kleine Broschüre getan.

Ich denke, hier auf dem Blog werde ich ab und zu posten, was wir so kochen und backen und essen… als Inspiration für Andere, aber auch um unser eigenes „Kochbuch“ zu haben.
Die liebe Subs hat neulich auch erzählt, was sie beim BLW so alles essen. Schaut doch mal bei ihr vorbei!

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5 Gedanken zu “Baby Led Weaning

  1. Bin völlig verwirrt von dieser Methode; habe deinen Beitrag staunend gelesen und begreife ehrlich gesagt überhaupt nicht, wie das funktionieren soll, ohne dass mir das Kind erstickt… wie muss ich mir das konkret vorstellen? Wie zum Beispiel kann ein fast zahnloses Baby einen Gurkenstick oder andere Gemüsesticks zerkleinern und schlucken? Geschweige denn ein Brokkoliröschen? Ich bekomme schon Angst beim Zuhören… muss aber auch dazu sagen, dass ich gerade was das „Verschlucken“ angeht, immer ziemlich panisch reagiere; scheint eine Urangst von mir zu sein.
    Andererseits klingt das, was du da schreibst, faszinierend. Wüsste nur nicht, wie ich das bei uns umsetzen könnte, weil mir viele unserer Mahlzeiten irgendwie sehr babyuntauglich erscheinen; denke gerade an Pizza 😉

    Ich werde jetzt aber mal den Artikel dazu lesen; vielleicht kann ich mir das Ganze dann besser vorstellen… Herzliche Grüße von zora

    • Ich hab bis vor 1-2 Jahren auch noch geglaubt, Babies müssten Brei futtern. 😉
      Aber ich war relativ schnell überzeugt von BLW… spätestens als ich bei der Freundin gesehen habe, wie vergnügt dieses Baby beim Essen war. Bisher kannte ich immer nur Eltern, die mühselig Löffel für Löffel in ihre Kinder befördert haben… und dann oft noch mit Schwierigkeiten („Noch einen für Mama, noch einen für Onkel Detlef… usw.“)…
      Beim BLW kannst Du locker daneben sitzen und Dein Zeug essen, während das Baby genüsslich von seinem eigenen Teller (Brett) schlemmt. Es ist so toll! Und macht solchen Spaß!
      Und nein, sie verschlucken sich nicht- hab ich ja geschrieben… man darf halt keine harten Sachen wie Apfel oder Nüsse geben, das ist aber auch das Einzige! Mein Zwerg isst sogar rohen Apfel… aber selten, ist mir auch nicht so geheuer… er macht das aber sehr geschickt, indem er mit den Zähnchen „Brei“ vom Apfel abreibt… deshalb gibt man den ganzen Apfel und nicht Scheiben oder Stückchen- denn die würden brechen und könnten dann zum Verschlucken führen.
      Alles andere geht super! Das Gemüse ist ja weich, wenn es gekocht oder gedämpft ist. Oder auch aus dem Ofen.
      Die Babies lernen sehr schnell, wann was stecken bleibt… bzw. der Würgereiz beim Baby sitzt noch sehr weit vorne im Mund! Es kommt also am Anfang erstmal jede Menge Retour! Würgen und Husten gehört dazu… da gewöhnt man sich schnell dran und ebenso schnell lässt das auch nach. Sorgen muss man sich eigentlich nur machen, wenn das Baby plötzlich still wird, mit geweiteten Augen- dann hat es tatsächlich was im Hals feststecken und dann wird es gefährlich. Kommt aber eigentlich nicht vor, wenn man sich an die paar Regeln hält.
      Wenn es hier sowas gibt wie Pizza, dann machen wir dem Baby schnell im Topf ein bisschen gedämpftes Gemüse. Geht super. Oder eben den Pizzateig selber machen, ohne Salz- dann kann es mitessen und an der Kante knabbern… das geht ebenfalls gut, wenn es ein handliches, nicht zu kleines Stück ist. Da wird dann so lange dran rumgenuckelt, bis es weich wird.
      Man sollte außerdem beachten, das BLW nicht gedacht ist um abrupt abzustillen, sondern um einen fliessenden Übergang vom Stillen zur festen Kost hinzubekommen. Ich stille also noch voll! Und das kann auch noch ein paar Monate so gehen, das gehört dazu und ist ja auch gesund.
      Ich fühle mich einfach jeden Tag bestätigt, wenn ich die glücklich strahlenden Augen meines Sohnes beim Essen sehe! Und wie neugierig er alles ausprobiert… ganz egal, ob ohne Gewürz oder mit, auch Knoblauch und Pfeffer gehen. 🙂 Es ist eine echte Freude und ich kann es wirklich nur empfehlen.

  2. Also, dass das mit Löffel und Brei bei uns schwierig wäre, kann ich so nicht sagen; im Gegenteil, sie mampft den Brei und die Matschmenues rein wie nichts. Das lief auch bei den anderen immer gut. Trotzdem finde ich den Ansatz und die Idee hinter dieser („neuen“) Methode sehr sinnig. Habe mittlerweile auch einiges dazu gelesen und für mich beschlossen, so eine Mischform aus allem zu wählen. Wir bieten ihr jetzt zusätzlich zu ihrem üblichen Essen auch immer was vom Tisch an, wenn wir gemeinsam da sitzen. Ist ja auch schön für sie, richtig „mitmachen“ zu dürfen.
    Die 1000 Tode bin ich allerdings gestern, als sie sich verschluckt hat, schon gestorben, lasse mich aber davon nicht abhalten. Finde es einfach toll, wenn sie neben dem Gebreie die Nahrung auch im Original mit allen Sinnen kennenlernt und so vielleicht schneller ganz auf unser Essen zugreift.

    Super Sache jedenfalls – freue mich, dass ich davon erfahren habe 🙂

    • Das macht mich wahnsinnig glücklich, dass Du Dich hast anstecken lassen! 🙂 Wie schön! Mischform ist doch auch klasse! Ich hab es hier ein paarmal mit Breichen probiert. War mir total lästig und fand es voll das Rumgeschmaddere. 😉 Nix für mich. Das muss halt jeder selbst rausfinden, was passt. Und dann isses gut.

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