Es wird wohl Waldorf

2015-10-26_1445875065
Noch haben wir Zeit bis zum Eintritt in den Kindergarten. Ich habe mich ja ganz bewusst entschlossen, mich bis zum dritten Geburtstag möglichst ausschließlich alleine um meinen Sohn zu kümmern.
Bewusst gegen Fremdbetreuung und damit unkontrollierte Prägung.
Das war allerdings bevor ich wusste, ob und wie selbstbewusst in seinem Tun und vor allem wie gewitzt das Menschlein werden würde. Mein kleines Baby. Ich habe in letzter Zeit immer öfter das Gefühl, ein Kindergartenkind vor mir zu haben. Dieses „Um-die-Ecke-Denken“, der Humor, die „Rollenspiele“… so oft sage ich zu meiner Mutter: „Wie ein Kindergartenkind!“. Und auch aus anderen Mündern höre ich ähnliche Kommentare.  Er ist immer noch ein „Mamakind“, klebt an mir wo es nur geht- dafür brauchten wir aber nie einen Schnuller, Schnuffeltuch oder Kuscheltier… wollte er einfach nicht. Habe ihm alles angeboten, aber Mama scheint zu reichen. Sie ist ja immer da.

Nun hat es sich ergeben, dass mir vielfach gesagt wurde, ich müsse mich aber schnell, schnell um einen Kindergartenplatz bemühen, wenn ich ihn bis zum 3. Geburtstag unterbringen wolle!
Also fix im Waldorfkindergarten angerufen… tarra! – 3 Tage später fand sowieso eine Art Infotag statt. Nix wie hin.

Ich kann Euch gar nicht beschreiben… ich bin selbst nie in eine Waldorf-Einrichtung gegangen, kenne nur 1-2 von innen… aber diesmal betrat ich den Kindergarten und hatte nicht einen Moment das Gefühl, irgendwie fremd zu sein. Man ist einfach da. Alles ist dort warm, erdig, Holz überall, die verwinkelte Architektur, dieses Heimelige… ich habe mich sofort wohl und zuhause gefühlt!
Das Menschlein hat diesen ersten Termin leider verschlafen. Ich war aber sicher, es würde ihm auch gefallen. An dem Tag nahm ich das Anmeldeformular mit, da es mir sinnvoller vorkam, sich persönlich nochmal vorzustellen zur Anmeldung. Ich kenne die Sekretärin aus einem anderen Mütter-Kreis persönlich und auch sie sagte mir, dass sie das gerne haben, wenn sie ein Gesicht zuordnen können.

Also bin ich ein paar Tage später mit dem Menschlein hin geradelt. Vergnügt denkend, dass DAS dann einmal unser Kindergarten-Weg sein wird: Vor der Tür beginnt bei uns eine Fahrradstraße. Die fahren wir komplett entlang, unter Bäumen. Danach über eine Kreuzung, aber dann eine ruhige 30er-Zone und einen asphaltierten Feldweg. Da sind wir.
Wunderschön! Ca. 15 min. Fahrzeit. Ideal.
Bei heftigem Wetter könnten wir auch den Bus nehmen und müssten dann eine Straße runter laufen. Geht auch.

Das Gespräch mit der Leiterin war ebenfalls sehr nett und sie sagte mir sofort zu, dass wir einen Platz bekommen. Damit hatte ich gar nicht gerechnet! Sie meinte aber, sie könnten natürlich die Plätze locker mit ihren Krippen-Kindern füllen. Aber lieber seien ihnen natürlich Eltern, die auch am Waldorf-Gedanken großes Interesse hätten und sich damit identifizieren können.
Also solche wie ich. Haha. Prima!

Etwas besorgt fragte ich noch nach den Finanzen. Aber es ist, wie es ist: Der KiGa ist städtisch gefördert, der Platz kostet nur 27 Euro mehr als ein städtischer Platz, nämlich die Gebühr für Frühstück, Waldorf und e.V – das Frühstück würde man ja vermutlich auch an einem regulären KiGa extra bezahlen müssen.

Und da wären wir auch gleich bei den Dingen, die mich noch mehr begeistert und überzeugt haben:

Es gehört zur Waldorf Pädagogik, dass das Essen dynamisch-biologisch (meist Demeter) ist, hier komplett vegetarisch (damit kann ich leben- vielleicht kann ich für das Menschlein sogar komplett vegan organisieren, es klang nicht ganz unmöglich). Jeder Gruppenraum hat eine eigene Küche- ebenfalls typisch ist, dass die Kinder nicht „erzogen“ werden, sondern durch Vorleben begeistert werden- dazu zählt, dass mit Spaß und Liedern typische Haushaltsarbeiten gemeinsam verrichtet werden. Da werden regelmässig die Frühstücksbrötchen gebacken, Tische gedeckt und wieder ab, abgewaschen usw… auch z.B. zum Fegen gibt es ein eigenes Lied.

Nach Steiners Ernährungslehre gibt es immer an bestimmten Tagen einen Brei (Hafer, Hirse und noch etwas, vergessen)… auch, damit die Kinder sich dadurch an den Wochentagen orientieren können. Diese wiederkehrenden Regelmässigkeiten sind auch ganz bewusst eingesetzt. So gibt es auch z.B. einen Tag, wo komplett (!) raus gegangen wird, bei Wind und Wetter … oder z.B. immer freitags findet Eurythmie statt, ein anderer Tag beinhaltet eine Bastel-Aktion usw.

Ich habe immer gedacht, mir sei Waldorf „zu dogmatisch“ – aber was ich bisher gehört, gelesen und auch dort in Gesprächen erfahren habe, gefällt mir wirklich außerordentlich. Wie immer höre ich da auf mein Gefühl. Und das sagt ganz laut JA!

Ach ja! Zum Gespräch und zur Anmeldung bei der Leiterin war das Menschlein ja dann mit- wir durften danach noch in den Garten (bewusst nicht „Spielplatz“ genannt… überhaupt gibt es dort kein wirkliches „Spielzeug“… Plastik sucht man eh vergebens, auch beim Gespräch zog die Leiterin für das Menschlein eine Schublade mit Holzklötzen raus…) und was soll ich sagen… das Menschlein wollte gar nicht mehr weg und spielte und spielte… ich hatte wirklich Mühe, den kleinen Kerl wieder in den Fahrradanhänger zu locken!


Und jetzt am Wochenende waren wir dann noch beim Martinimarkt, der traditionell im November stattfindet. Wundervoll. Ganz heimelige Atmosphäre mit vielen, vielen (natürlich echten!) Kerzen und Aktionen, schöne Gerüche (wir haben auch eine Orange mit Nelken gespickt!) und einem Basar…

Hier unser „Moosgärtlein“… leider haben wir keinen Wichtel mehr abbekommen. Schade.
Und nächstes Jahr machen wir dann auch weniger Gesteck und mehr „Gärtlein“… hihi.

Also: Ich freue mich drauf! Auf die Zeit im Kindergarten!

Hier noch was in bewegten Bildern
(oje, jetzt mache ich schon Werbung… ):

 

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8 Gedanken zu “Es wird wohl Waldorf

  1. Waldorf ist super! Als ich ein Waldorfkindergartenkind war, gab es Milchreis, Brötchen (tja, mit welchem Getreide, weiß ich aber nun nicht mehr), Gersteplätzchen mit gekochten Möhren… hmm, das war das Lieblingsessen von allen Kindern, an Müsli kann ich mich auch noch erinnern,… ach,danke für die Erinnerungen, mjammi!
    Ich freue mich schon wahnsinnig, hier dann zukünftig über dei Waldorfelternzeit zu lesen!
    Wann geht der Kleine denn nun in den Kindergarten? Trotzdem mit drei?
    In deinem Text klang es so, als würde er doch früher gehen?
    Also ich wollte nur sagen, dass es (zumindest in meinem) nicht jeden Tag Brei gab 😀
    Ich bin mir sicher, dein Sohn wird glücklich auf die Zeit dort zurückschauen!

    • Also, eigentlich ist ab 3 geplant… ich bin noch am Schwanken, ob ich es früher versuche, damit ich dann ab 3 beruflich wieder mehr einsteigen kann… das wird eh nicht von heute auf morgen gehen… mal gucken. Aber eigentlich wollte ich ihn vor 3 nicht weg geben… 😉

  2. Ein schön beschriebener, vor allem selbst erlebter Bericht. Ich finde es immer ganz wichtig, eigene Erfahrungen zu sammeln, ich habe in anderen Blogs schon ganz schreckliche Erfahrungsberichte gelesen, wo viele dann darunter schreiben, wie dankbar sie sind und das Waldorf jetzt definitiv aus dem Rennen ist.
    Wir sind seit sechs Jahren eine Waldorffamilie, die Grosse wechselte mit fast vier und geht mittlerweile in die vierte Klasse der Waldorfschule, die beiden Kleinen sind glücklich im Kindergarten. Ich möchte es mir gar nicht mehr anders vorstellen und freue mich immer, wenn jemand das auch so empfindet. Ich habe aber auch Freunde, bei denen es einfach nicht gepasst hat.
    Also, ich danke dir für diesen sehr schönen Bericht.
    Herzliche Grüsse,
    SandrA

    • Ja, über solche Artikel bin ich auch gestolpert!! Da gibt es ja aktuell einige große…
      Die haben mich ehrlich gesagt schon sehr verunsichert, auch wenn ich glaube, dass was wirklich Einzelfälle sind.
      Ich werde deshalb alles ganz gut hinterfragen, wie dort mit bestimmten Themen umgegangen wird… und am liebsten auch noch hospitieren.
      Bin auch noch nicht sicher, ob das meiner Begeisterung für „unerzogen“ gerecht wird, oder ob ich uns lieber eine „bedürfnisorientierte“ Kita suchen sollte…
      Wir werden sehen…

  3. Dein Gefühl wird Dich nicht trügen. Ich selbst fühle mich jeden Tag aufs Neue wohl im Waldorf-Kiga, auch in der Waldorf-Schule. Das überträgt sich mehr, als wir denken. Ich lese mir mit Absicht keine Anti-Waldorf-Artikel durch. Es gibt immer solche und solche, auch „Waldorf“ wird manchmal blöd umgesetzt oder die Leute passen nicht zueinander und die reine Antipathie der Personen wird dann auf das ganze System umgemünzt. Wie auch immer, ich lese Steiner auch nicht rauf und runter und einen Jahreszeitentisch haben wir auch nicht Zuhause. Aber dennoch merke ich jeden Tag, wie wohltuend diese Art des Umgangs für die Kinder ist.

    • Meine Sorge gilt eigentlich hauptsächlich dem „Dogma“… ich muss noch rausfinden, wie dogmatisch die hier in der Kita sind. Sowas wie „aufessen müssen“ oder „probieren müssen“ finde ich z.B. unmöglich. Und auch, wenn Kinder in dem Alter etwas machen müssen, wozu sie gerade keine Lust haben („jetzt ist Eurythmie-Tag, jetzt müssen alle Eurythmie machen“) finde ich nicht so prickelnd. Ich werd da aber hospitieren gehen und das rausfinden. Da hilft nur „schnuppern“ denke ich…

  4. Pingback: Kindergarten-Entscheidungsfindung | Pingaga

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